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Massentourismus und mehr

Das Weihnachtsfest liegt hinter uns. Es war warm und thailändisch, irgendwie anders. Aber gut!
Die letzten Tage in Chiang Mai haben wir damit verbracht, Stadt und Umgebung etwas näher kennenzulernen. Sightseeing quasi. Das kann man auf die verschiedensten Arten tun. An allen Ecken (und in allen Hotels) werden geführten Touren angeboten. Für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack. Tempelbesichtigung, Shoppingtouren, Trekking, Elefantenreiten, Tigerstreicheln, Schlangen- und Orchideenfarmen besuchen, Erkundungen in entlegene Bergdörfer (wo der Kommerz des Tourismus bereits Einzug gehalten hat), Extremsport, Hochseilgärten, Koch- und Massagekurse und, und, und… Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Angebote in Anspruch zu nehmen – wenn man denn möchte. Man kann es auf eigene Faust versuchen, sich auf der Straße einen Guide bzw. Fahrer organisieren oder eine geführte Tour im vollklimatisierten Kleinbus buchen. Wir haben alle Möglichkeiten ausprobiert.

1. Tempelbesichtigung in Chiang Mai
Chiang Mai ist reich an geschichtsträchtigen Gebäuden und Bauwerken, wobei es sich hauptsächlich um Tempel in allen Größen und jeden Alters handelt. Möchte man die Kultur eines Landes verstehen, muss man sich nicht zuletzt mit der vorherrschenden Religion auseinandersetzen. Wir haben uns einen Nachmittag lang Zeit genommen, durch die Stadt zu schlendern und einige Tempel zu besichtigen – ohne lästigen Zeitdruck, den geführte Touren produzieren. Der hier praktizierte Buddhismus ist geprägt durch reiche, aufwendige Architektur, tiefe Hingabe und Ehrfurcht sowie einen diffusen Druck, seinem Leben, seinem Karma durch gute Taten und viele Opfergaben eine positive Ausrichtung zu verleihen. Viele Rituale in den Tempeln drehen sich um Spenden, beispielsweise Geldspenden für seinen Geburtswochentag oder seinen Geburtsmonat, aber auch Sachspenden für die Mönche, die im jeweiligen Tempelkomplex leben. Es gibt Rituale wie Kerzen und Räucherstäbe entzünden, sich mit heiligem Wasser besprengen lassen, Gebete „würfeln“ oder Runden um die goldene Pagoda drehen. Es war für mich durchaus interessant, das rege Treiben eines bedeutsamen Pilgertempels zu beobachten, wo sich Mönche, Thais und Touristen gleichsam einreihen um ihre Gebete zu sprechen. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass viele von Angst getrieben werden, nicht genug zu tun und tun zu können, um sich ein glückliches, erfolgreiches, gesundes Leben zu verdienen. Umso dankbarer bin ich für die Hoffnung und die Freiheit des Christentums, die wir durch Jesus haben können!

2. Tour zum Doi Suthep und ins Dorf der Hmong
Wir wollten es uns nicht nehmen lassen, auch eine rein touristisch ausgerichtete Tour im Minivan zu unternehmen. Dazu ging es in den Doi Suthep National Park. Wer jetzt aber an unberührte Berghänge und tiefe Urwälder denkt, hat weit gefehlt. Ein Teil des Nationalparks wird zu rein touristischen Zwecken betrieben. Die Serpentinen den Berg hinauf bis auf 1.500m teilte sich unser Minivan mit einer stählernen Schlange aus Autos, Kleinbussen, Songtails, Tuktuks und Mopeds. Bis zum Dorf der Hmong wurde die Schlange zwar aufgrund der zahlreichen Attraktionen am Straßenrand zunehmend kleiner, trotzdem erwartete uns am Ende nicht ein unberührtes Bergdorf, sondern eine Shoppingstraße auf Massentourismusniveau, völlig überfüllte Parkplätze und Touristen, die sich mit bunt geschmückten Kindern auf Fotos drängelten. Na toll! Es blieb gerade so Zeit, ein wenig an den Ständen der Einheimischen ins Dorf hineinzuschlendern – nämlich genau 30 Minuten. Dass da weder die Möglichkeit besteht, ausgetretene Pfade zu verlassen, noch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, versteht sich von selbst. Schade, aber eigentlich nicht anders zu erwarten.
Am Doi Suthep Tempel, dem größten Heiligtum in Chiang Mai verhielt es sich nicht anders. Zumindestens eine Stunde Zeit blieb uns, den Aufstieg von über 300 Stufen zu meistern, die Atmosphäre aus Pilgerort und Sightseeing-Ziel auf sich wirken zu lassen und am Schluss seine Schuhe wiederzufinden, um die 300 Stufen zum Parkplatz hinunter zu hasten, wo der Minivan wartete. Es war eine Erfahrung. Und diese Art von Erfahrung bleibt wohl eher die Ausnahme.

3. Mae San Wasserfall
Unser dritter Ausflug führte uns nach Maerim, einem Ort voller Touristenattraktionen für jeden Geschmack. Für die einstündige Fahrt nahmen wir ein Tuktuk, der Fahrer wollte natürlich die weite Strecke nicht leer zurückfahren und wartete deshalb drei Stunden lang auf uns. Der Mae San Wasserfall ist eine der Attraktionen, bei denen Thailänder 20 Baht, Ausländer 100 Baht Eintritt zahlen. Was soll’s, 2,50€ für Wasserfälle, Wanderung durch den Nationalpark und Baden gratis. Wer braucht da noch einen Hotelpool? Der Aufstieg durch den Wald, immer am Fluss entlang, war teilweise etwas abenteuerlich, da manche hölzernen Treppen und Plattformen bereits vermodert und brüchig waren. Der Schönheit dieses Ortes tat das aber kein Abbruch. Je höher wir kamen, desto einsamer waren die Kaskaden, über zehn große und unzählige kleine stürzt der Fluss ins Tal. Dahin, wo der Weg endgültig nicht mehr weiterging, hatte sich außer uns nur eine Handvoll anderer Besucher verirrt, sodass wir fast eine Stunde ungestört im angenehm kühlen Wasser baden konnten.
Der Schreckmoment des Tages erwartete mich dann auf dem Rückweg, als ich plötzlich die riesige Radnetzspinne (etwa so groß wie eine Männerhand) entdeckte, die einen knappen Meter über uns in ihrem ausladenden Netz saß und genüßlich ein Insekt verspeiste. Auch das ist Thailand.

An diesem Abend neigt sich unsere Weihnachts-Woche in Chiang Mai dem Ende entgegen. Es war eine gute Zeit. Wir sind gespannt, was uns nächste Woche erwartet. Morgen machen wir uns auf den Weg nach Bangkok, zehn Stunden Busfahrt. Zeit zum Schlafen, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Genießen. Wir sind dankbar, hier sein zu dürfen.

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