Hanoi. Am Sonntag in aller Frühe erreichen wir die Hauptstadt Vietnams mit dem Flugzeug aus Bangkok. In unserem Hotel ist man sehr freundlich und es gibt sogar noch ein Frühstück. Als wir unser Zimmer beziehen wollen, stellen wir fest, dass es nicht der von uns gebuchte Raum ist. Der sei erst nachmittags frei. Nachmittags erklärt man uns, dass man uns für eine Nacht in einem anderen Raum unterbringen wird, da unser Raum belegt ist. Naja, mal schauen…
Am Montag früh zeigt man uns den Raum, der erst nachmittags verfügbar sein wird. Die Betten sind ok, aber der Raum ist nur halb so groß, wie gebucht. Nach einigem hin und her stellen wir fest, dass es den im Internet beschriebenen Raum gar nicht gibt. Wir bekommen also ein down-grade, aber wir bekommen kein Geld zurück. Im Laufe der Tage stellen wir fest, dass es auch anderen Reisenden so geht. Die Buchungen im Internet sind also für die Hotels nicht mehr als eine Art Hinweis, dass jemand kommen wird.
Am Mittag treffen wir zwei Europäer, die schon einige Zeit hier leben. Wir genießen ein typisches vietnamesisches Mittagessen und erfahren viele wichtige Dinge über dieses Land und seine Bevölkerung. Das ist wirklich hilfreich, um die Menschen zu verstehen. Natürlich bekommen wir auch Anregungen für Ausflüge, einen Kontakt für Reisebuchungen und eine Erklärung, wie man die öffentlichen Verkehrsmittel hier nutzt. Die Busse sind hier wirklich viel günstiger und wir probieren es direkt aus.
Es ist Dienstag und wir legen auf eigene Faust los. Wir geben unsere Wäsche zum waschen ab, besuchen eine Reisevermittlerin und gehen auf dem Rückweg ins Gefängnis. Besser gesagt in ein Gefängnis-Museum. Während der französischen Besatzung Vietnams wurden hier politische Gefangene unter teilweise unwürdigen Bedingungen eingesperrt. Später diente dieser Ort der Internierung von gefangenen US-Soldaten im Vietnam-Krieg, der hier übrigens der „amerikanische Krieg“ heißt. Wir erfahren einiges über dieses stolze Volk. Vietnam hat sich in langem Kampf von der französischen Ausbeutung befreit, wurde zwischendurch von Japan besetzt und hatte dann fast 10 Jahre gegen die Amerikaner zu kämpfen. Auch danach musste es sich noch gegen China wehren. Erst Mitte der 80er Jahre hat sich die Wirtschaft durch die Reform, die Perestroika erholt. Heute sind 70% aller Vietnamesen unter 30 Jahre alt, man exportiert Reis, Kaffee, Kleidung und vor allem Handys.
Auf Mittwoch habe ich mich gefreut. Wir machen eine dreistündige Street-Food-Tour. Wir gehören zu einer 10köpfigen Gruppe und werden von Miss Moon durch die Straßen geführt. Wir essen eine typische Suppe, eine Art Donut-Baguette, vietnamesische Pfannkuchen, eine Art Zucker-Snack, zwei Sorten frittierte Frühlingsrolle, einen Obstsalat, gegrillte Hackbällchen mit Reisnudeln und trinken ein lokales Bier und einen Kaffee mit Eierschaum. Zwar sind unsere Mägen irgendwann restlos gefüllt, aber wir haben viele Sachen ausprobiert, die wir sonst nie gegessen hätten. Wir waren in Restaurants in kleinen Nischen und haben das gegessen, was auch die Menschen hier futtern. Eine spannende Sache. Bei unserer Tour haben wir drei weitere Europäer aus Deutschland, Italien und Portugal kennengelernt und uns direkt zum gemeinsamen Abend verabredet.
Hanoi hat viele Straßen, die so heißen, wie die Geschäfte, die dort sind. Eine Seiden-Straße, eine Maler-Straße, eine Obst-Straße, eine Cafe-Straße usw. Wir waren heute Abend in der Bierstraße. Diese Straße grenzt direkt an die Shisha-Straße. Was man hier machen konnte, könnt ihr euch denken. Das gezapfte Bier kostet nur 25 Cent und da haben wir uns doch direkt auch noch eine Runde Shisha geleistet. Diese beiden Straßen sind abends rappelvoll mit Jugendlichen. Es wird gefeiert, gesungen und getanzt. Der Höhepunkt ist gegen 22 Uhr erreicht. Ab dann ist das Fassbier aus und man muss auf das teurere Flaschenbier umsteigen. Um 23.30 Uhr ist Sperrstunde und dann leert sich das Viertel so schnell, wie es sich gefüllt hat. Eine Sache ist hier nämlich anders als in vielen Ecken Deutschlands. Hier haben alle Jugendlichen einen Job und müssen am nächsten Morgen raus. Rumhängen, nichts tun und Geld vom Staat abgreifen haben wir hier noch nicht entdeckt. Das finde ich hier toll.
Die zweite Sache, die ich bewundere ist, dass man es geschafft hat ohne große Einkaufszentren auszukommen. Hier ist die ganze Stadt ein Einkaufszentrum. In der Möbel-Straße gibt es weit mehr als einen Kilometer Laden an Laden. Davon leben gefühlte 200 Familien und jeder verdient so viel, wie er zum Leben braucht. Hier steckt sich kein geiziger Ikea-Boss das Geld in die Taschen. So geht es mit jedem Gewerbe. Die Auswahl ist so groß wie bei uns, aber hier leben alle davon. Das finde ich schön und bewundernswert.