Da sind wir in Zentral-Vietnam gelandet, in einem kapitalistischen Hotel in einem Sozialistischen Land. Ist auch kein Wunder: der Betreiber ist Australier. Nie zuvor hatte ich den Eindruck, dass man nur an mein Geld möchte und versucht möglichst wenig dafür zu bieten. Aber ich möchte hier nicht unseren Frust beschreiben, das haben wir beim Tripadvisor schon getan.
Die Tage nahe des Nationalparks Phong Nha – Ke Bang haben wir gut genutzt. Am Montag liefen wir die drei Kilometer ins Dorf und machten die Erfahrung, dass tatsächlich jeder, der uns begegnete ein „hello“ auf den Lippen hatte. Schon cool, wenn einem überall freundliche Menschen begegnen. Im Dorf habe ich in einem Mini-Laden eine Flasche Cola erstanden, was die junge Verkäuferin sehr erfreute.
Den Dienstag nutzten wir zur Besichtigung der „Paradise Cave“. Mit dem Motorroller fuhren wir in den Nationalpark und genossen eine Höhle im Kaarst-Gestein, diesen wunderschönen Fleck der Schöpfung fast ohne andere Touristen. Fast 300 Treppenstufen führen in die Höhle hinab, dort geht man dann eine halbe Stunde von „Raum“ zu „Raum“. Diese Höhle hat gefühlt kein Ende. Die Stille und das dezente Licht schufen eine sehr interessante Stimmung.
Der Mittwoch führte uns mit dem (etwas zu kleinen) Fahrrad in einen etwa 12 Kilometer entfernten Ort. Dort bestiegen wir mit vier anderen Reisenden ein Holzboot und fuhren zu einer Höhle (Phong Nha Cave), die nur mit diesen Booten angefahren wird. Durch einen Felsspalt wird man hinein gerudert und es fühlt sich echt abgefahren an auf einem Boot mitten im Berg zu sein. Den letzten Kilometer darf man zu Fuß herauslaufen und die Geschichte Vietnams fühlen. Diese Höhle wurde im Krieg gegen die Amerikaner als Krankenhaus genutzt. Außerdem wurden hier tagsüber Fähren hineingefahren, die Nachts genutzt wurden, um Fahrzeuge auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad überzusetzen. Sie liegt an einem wichtigen Punkt und wurde gegen Kriegsende auch mit Kampfflugzeugen angegriffen, ohne Erfolg. Der Rückweg wurde dann für mich irgendwann zur Qual. Mein Allerwertester schmerzte und das Fahrradfahren machte keinen Spaß mehr, da half es auch nicht, dass mich die Einheimischen versuchten anzufeuern.
Am Donnerstag entschieden wir uns wieder für einen Motorroller. Es ging noch einmal in den Nationalpark. Diesmal wollten wir eine Quelle anschauen. Wir erwischten wieder einen guten Zeitpunkt und waren die einzigen Besucher. Wir gingen einen Rundweg durch den Dschungel und sahen mehrere Quellflüsse aus dem Berg in den großen Fluß hineinfließen. Ein Geheimtipp führte uns abseits der Touristenroute zu einer kleinen Insel, wo wir uns entschieden in diesem blauen Wasser zu baden. Auf dem Rückweg ging es noch zu einer Gedenkstätte des Krieges und in ein anderes Tal, bevor wir müde und zufrieden zurückkamen.
Ich habe mich riesig gefreut, dass wir für die drei Tage in Eigenregie nur halb soviel Geld ausgeben mussten, wie eine Tagestour des Hotels gekostet hätte. Wir haben ein faszinierendes Stück Natur erlebt und sind dann mit dem Zug weiter nach Süden gefahren.
Am Freitag Abend erreichten wir dann Hoi An. Diese kleine Küstenstadt hat einen historischen Kern, der zu einem großen Teil bis ins 17 Jahrhundert zurückreicht. Es gibt seit damals viele Chinesen in der Stadt. Einige Kilometer nördlich war ein großer Teil der US-Truppen im Vietnamkrieg stationiert. Heute ist die Stadt recht touristisch geprägt. Aber es wirkt recht entspannt. Wir haben uns in den ersten zwei Tages etwas umgesehen. Ich habe mich immer gefragt, wie es die Restaurants schaffen in ihren Mini-Küchen zum Teil 100 verschiedene Gerichte ohne Tiefkühlware zu kochen. Heute habe ich gemerkt, wie es geht. Ich hatte nach dem vielen einheimischen Essen Lust auf etwas „Exotisches“ und bestellte eine Pizza. Nach etwa 15 Minuten fuhr ein Moped vor und ein Pizzabote ging in die Küche. Eine Minute später bekam ich meine Pizza. Das Eis, was ich bestellte holte eine Mitarbeiterin irgendwo aus der Nachbarschaft und servierte es dann. Ähnlich ging es uns schon in Hanoi. Wo in Deutschland der harte Wettbewerb jede Zusammenarbeit unmöglich macht ist es für die Vietnamesen kein Problem sich die fehlenden Sachen bei den Nachbarn zu kaufen. Hier steht die Zufriedenheit des Gastes im Vordergrund und nicht der Gewinn. Zumindest scheint das so. Das finde ich schön.
Jetzt lege ich mich mal schlafen. Morgen wartet ein harter Tag. Wir werden nochmal Fahrrad fahren…