Kategorien
Allgemein

Verbesserung und Gedankenspiele

Nun ist Steffi wieder „zuhause“, also im Hotel. Zwei Nächte im Krankenhaus mit Infusionen und Medikamenten haben sie wieder etwas aufgepeppelt und wir denken, dass wir am Freitag unsere Reise nach Saigon fortsetzen werden. Allerdings mit weniger Aktivität und mehr Entspannung.

Da unsere Versicherung weiterhin die Kostenübernahme verweigert, musste ich nun zum ersten Mal einen Krankenhausaufenthalt selbst bezahlen. Ich konnte mir nie vorstellen, wie teuer das sein würde. Jetzt weiß ich es. Zumal es hier in Vietnam noch billiger ist als in Deutschland. Gott sei Dank konnte ich die Kreditkarte nutzen und die Kosten crashen erst Mitte Februar unser Konto. Vielleicht zeigt uns Gott bis dahin eine Lösung.

Als ich so am Zahlschalter stand fielen mir die vielen Vietnamesen auf, die im Krankenhaus nach Hilfe suchen. Sie zahlen jede Behandlung in bar. Es gibt keine Versicherungen. Eine Übernachtung mit Behandlung kostet hier etwa 5 Monatslöhne. Wer kann sich sowas schon leisten? Kaum jemand. Man kann sich hin und wieder die lebensnotwendigste Versorgung leisten. Viele Menschen haben 2-3 Jobs, Freizeit ist ein Luxusgut, was die meisten nur zwischen 21 und 23 Uhr kennen. Die Bediensteten unseres Hotels schlafen unten in der Lobby, sie arbeiten quasi 24h am Tag. Diese Menschen haben meinen absoluten Respekt! Wir in Deutschland beschweren uns wegen so vielen Sachen. Meistens aber nur, weil wir zu viel Zeit zum beschweren haben.

Wir leben so gut, weil die Menschen hier in Südostasien so schlecht leben. Hier in Vietnam produziert beispielsweise die Firma Northface ihr Kleidung für einen Hungerlohn. Die Produkte (nur D- und E-Waren) werden auch hier im Land verkauft zu europäischen Preisen, die sich hier nur Touristen leisten können. Die Leute, die in einer solchen Firma arbeiten haben fast nichts davon. Weil wir beim Einkaufen Marken kaufen oder Billig-Schrott von H&M oder Primark leben hier Menschen am Existenzminimum. Dieses Minimum ist hier anders als in Deutschland. Da glaubt man ja, dass man mit 800 EUR im Monat schlecht dran ist. Hier verdienen Menschen je nach Job zwischen 100 EUR und 250 EUR im Monat. Eine Ein-Zimmer-Wohnung kostet etwa 70 EUR und das einfachste Essen (Reis mit Gemüse) bekommst du für etwa 5 EUR täglich. Wer rechnen kann weiß nun das neue Kleidung, ein Fortbewegungsmittel, Urlaub, Reisen und auch medizinische Versorgung wahrer Luxus sind.

So eine Reise macht was mit dir. Zunächst siehst du in die fröhlichen Gesichter, sie lachen und freuen sich dich zu sehen. Aber wenn man sie fragt, ob das grade ihr Lebenstraum ist, dann sieht man, dass der eigentlich anders aussieht. Wir haben z.B. in Hanoi eine junge Frau getroffen, die bis etwa zu ihrem 14. Lebensjahr in Deutschland als Asylbewerberin gelebt hat. Sie wurde von der Polizei aus der Schule geholt, musste in zwei Stunden packen und saß dann im Flieger nach Vietnam. Sie kannte dieses Land nur von Erzählungen und sie hat uns berichtet, dass sie 5 Jahre brauchte, um hier irgendwie Fuß zu fassen. Ihren Eltern ist das nicht gelungen. Sie haben studiert und verdienen jetzt als Nachtwächter und Putzfrau kaum was. Die junge Frau studiert jetzt Fremdsprachen und ihr großer Traum ist, dass sie oder ihre Schwester nach Deutschland kommen können. Aber nicht wegen der staatlichen Hilfen oder so. Es ist ihre wirkliche Heimat und sie wollen Arbeiten und einen fairen Lohn verdienen, um ihren Eltern einen würdigen Lebensabend zu schenken.

In Deutschland werden Fachkräfte gesucht und einfache Arbeiter sind arbeitslos, weil diese Jobs dank Globalisierung ins Ausland verlegt wurden. Hier arbeiten studierte Menschen, also Akademiker als Reiseleiter, Kellner, Näherin oder Verkäufer, weil man diese Länder künstlich klein hält und sie mit Billigjobs überschwemmt. Krass oder?

Es gibt also nur zwei Lösungen. Entweder holen wir die Akademiker nach Deutschland und schicken die Arbeitslosen Deutschen in die Fabriken in Vietnam, Kambotscha und Bangaldesch oder wir hören auf mit der globalisierten Gewinnmaximierung und schaffen wieder einfache Arbeitsplätze in Deutschland und helfen diesen Ländern hier eigene Firmen aufzubauen.

So, jetzt habe ich mir die Gedanken man von der Seele geschrieben. Danke fürs Lesen. Euer Sam

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert