Da sind wir also im Urlaub angekommen… Nach Singapur, Nakhon Sawan, Chiang Mai und Bangkok verbringen wir die fünfte Woche in Südostasien zur angenehmen Abwechslung nicht in einer (Groß)Stadt. Entspannter als in diesem kleinen Fischerdörfchen am südlichen Zipfel der Insel Ko Chang geht es wohl kaum. Dabei war die Reise hierher alles andere als entspannt, eher abenteuerlich. Eins vorweg: glaube keinem Reiseführer, den du nicht selbst geschrieben hast. Wenn der Reiseführer sagt, vier Stunden Anreise, dann ist man am Ende doch zehn Stunden unterwegs. Mit S-Bahn, mit Bus, mit Sammeltaxi, mit Fähre, mit Songtail.
Angefangen hat alles am Busterminal in Bangkok. Wir hatten ja in weiser Voraussicht schon die Bustickets im Vorfeld gekauft. Als wir also am Terminal ankamen stand da ein, nun ja sagen wir mal, Bus älteren Baujahrs. Einer, der so aussah, als würde der nächste Windstoß ihn in seine Einzelteile zerlegen. Und ein zweiter Bus, der irgendwie netter aussah, vielleicht waren auch die Roststellen auch nur gut überlackiert, aber er war auf jeden Fall vertrauenserweckender, zumindest von außen. Mir war letzterer auf alle Fälle lieber. Beide standen am Terminal Abfahrt nach Trat. Nun gut. Kurz darauf kam ein deutsches Pärchen. Gleiche Tickets, gleiches Reiseziel, gleiche Abfahrtszeit. Gleiche Meinung zu den beiden Bussen. Dann wurden wir zum Einsteigen gebeten, wir beide in den – äh – alten Bus, die anderen beiden in den neueren. Gleiche Tickets, gleiche Abfahrtszeit. Auf Nachfrage antwortete die nette Dame vom Service immer nur „same, same“. Soso. Wieso wir nicht mit den anderen Deutschen im anderen Bus fahren könnten? „Same, same.“ Wir hätten doch die gleichen Tickets und das gleiche Ziel? „Same, same. Fully booked.“ Schon klar, aber der hier sieht nun mal nicht so aus, als würde er noch die nächste Fahrt überstehen… Das haben wir nicht gesagt, aber gedacht. Egal, in einem fast leeren Bus einen Platz gesucht und ein bisschen über thailändische Planlosigkeit geärgert. Fully booked? Zwei Busse, die zur gleichen Zeit ans gleiche Ziel fahren mit jeweils weniger als zehn Fahrgästen? Das soll mal einer verstehen. Fünf Minuten vor Abfahrt wurden wir dann in den anderen Bus gebeten. Und es sind wirklich beide Busse mit weniger als zehn Fahrgästen nach Trat gefahren…
Trat ist nicht weiter der Rede wert, die letzte größere Stadt vor der Grenze zu Kambodscha. Wir sind nur aus dem Bus aus- und in ein Sammeltaxi eingestiegen, das uns zum Pier bringen sollte, von dem stündlich die Fähren nach Ko Chang gingen. Naja, unterwegs wurden wir gebeten, auszusteigen um Tickets zu kaufen. Mit allem Gepäck bitteschön, auch die, die schon Tickets hatten. Dann lud der Fahrer eine Gruppe Wartender auf die Ladefläche und fuhr davon. Das Kaufen der Tickets dauerte keine zwei Minuten, dann standen wir etwas verloren in der Landschaft herum. Das nächste Taxi käme in fünf Minuten, meinte die Dame am Verkaufstand. Während wir also 15 Minuten warteten, verpassten wir erst mal die Fähre. Dann das gleiche Spiel: Sammeltaxi, Fahrgäste raus, wir rein, ab zum Pier. Vorbei an zwei Ticket-Verkaufsstellen. Warum, um alles in der Welt…? Egal. Das ist Thailand, nicht Deutschland. Eine Fähre dümpelte am Pier herum, kein Mensch weit und breit. Ein Thai auf einem undefinierbaren motorisierten Gefährt winkte uns, wir sollten an Bord gehen. Na dann, warum nicht. Hier gab es eh nur ein Ziel. Die Fähre hatte auch ihre beste Zeit lange überschritten. Naja, es gab ein paar Kisten mit Rettungswesten, rundherum war alles offen, das Meer ruhig und warm, Festland und Insel in Sichtweite. Alles super.
Als dann die Sonne rot im Meer versank und die Leute aus allen Ecken und Enden der Welt mit thailändischem Dosenbier auf den Urlaub anstießen, merkten wir, dass das jetzt wirklich so etwas wie Urlaub werden würde…
Wenn denn da nicht – noch eine Hürde zu nehmen wäre. Auf Ko Chang angekommen, zerstreuten sich schnell alle Ruckacktouristen und Hotelgäste in alle Winde. Es gibt etwa 300 Hotels auf Ko Chang und davon sind geschätzte 285 an der Westküste. Unseres natürlich nicht… Wir waren die einzigen, die in den Süden wollten (meinten wir – denn wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass von rund 60 Fahrgästen auf der Fähre auch nur drei ins gleiche Hotel möchten, vor allem in eins im Niemandsland?!) und in den Süden fahren, das kostet natürlich extra: 1000 Baht (rund 25 Euro) wollte der Songtailfahrer von uns haben (zum Vergleich: in Nakhon Sawan kostete eine Fahrt 10 Baht, die anderen Ko Chang Touristen zahlten für ihre Fahrt 100 Baht). Mit Ach und Krach auf 900 Baht heruntergehandelt heizte der Fahrer dann mit uns 30 Minuten durch den inzwischen stockdunklen Dschungel. Und dann waren wir angekommen in Salakpeth, dem wahrscheinlich verschlafensten Örtchen der Welt. Naja, von Thailand – zumindestens von Ko Chang. Ein Hotel und zweieinhalb winzige Gästehäuser reihen sich im Mangrovenwald zwischen Fischerhütten. Unser Hotel ist ebenfalls eine umgebaute Fischerhütte, Holzverkleidung, Wasser unter der Terrasse, Mangroven vor dem Fenster. Und vor der Tür zum Hotel: Ein Pärchen von der Fähre, mit denen Sam sich sogar unterhalten hatte. Soviel dazu.
Jetzt sind wir hier und es ist megaschön. Das einzige Motorengeräusch, was man zu hören bekommt, sind die Fischerboote, die bei Sonnenaufgang vom Fang zurücktuckern. Ansonsten kann man Kajak fahren durch den Mangrovenwald, wandern (wahlweise zu den Wasserfällen oder zu versteckten Stränden, die nur zu Fuß zu erreichen sind), Bootstouren zu unbewohnten Inseln oder zum Schnorcheln unternehmen oder einfach nichts tun. Vielleicht, wenn es die Buchung des Hotels und unser Budget zulassen, bleiben wir noch einen Tag länger. Denn wir wohnen in der Suite. Kostenloses Upgrade vom Hotel. Nur ein kleines Manko bleibt: Bei so viel Natur muss man sich auch die Suite mal mit unliebsamen Krabbeltierchen teilen…
Welcome to the middle of nowhere